Es ist passiert. Aus. Ende. Vorbei. Der große Traum des kleinen Michl platzte wie ein Luftballon nach dem Kontakt mit einer Stecknadel, verglühte wie ein Staubkorn bei Eintritt in die Atmosphäre, ging unter wie ein Luxusdampfer nach der Kollission mit einem Eisberg, löste sich in Luft auf, wie eine Fata Morgana beim näher kommen, schmolz dahin wie ein Eiswürfel in einem aktiven Vulkankrater.

Der Traum vom Finale bei den deutschen Slammasterschaften. Ein Traum, der nur einen Millimeter an der Realität vorbeischrammte. Die große Chance zum Greifen nah... doch greif mal nach Luft oder Licht oder den Duft vom großen Glück und schau in deine Hände was du gefangen hast.

Aber lassen wir das poetisch-melancholische Geplänkel und kommen zu den Fakten. Im ausverkauften Ballhaus in Berlin-Kreuzberg stand gestern eines der 3 Halbfinals der deutschen Poetry Slam Meisterschaften an. Michl dabei bei den 35 besten Bühnenpoeten des Jahres. Der Text gekürzt, geübt. Ein Überraschungstext für die meisten, da er erst bei 2 Poetry Slams gelesen wurde. Michl voller Zuversicht und Siegeswillen, dann die Auslosung: Startplatz eins. Der Favoritenkillerstartplatz. Der undankbare. Der hundsgefi**ckte. Der "Ach, du machst das zweite Opferlamm" - Startplatz.

Michl geht auf die Bühne, gibt alles, schlägt ein wie eine Bombe, dann die Jury-Wertung: Ausnahmslos 7er und 8er. Eine hervorragende Wertung für den ersten. Aber nur für den. Michl also erwartungsgemäß an der Tabellenspitze. Doch danach gleich der Titelverteidiger Marc-Uwe Kling, der auch als solcher angekündigt wird. Zieht vorbei. Die anderen werden zum großen Teil schlechter bewertet, so dass Michl für 50 Minuten im Finale steht. Auf den letzten Startplätzen tut sich aber dann doch noch etwas: Heiner trifft den Nerv der Jury und seltsamerweise auch der schrägste Vogel im Poetry Slam (Andy Strauß). Am Ende fehlt ein verschissen-verkackter Punkt und Michl steht außer mit massenhaft Lob für seinen Text mit nichts in den Händen in Berlin. Naja fast nichts. Halbfinalteilnahme ist ja auch was. Minimalziel souverän erreicht, aber eben nicht mehr.

Emotional berührt heult Michl dann noch vor seinen fränkischen Homies rum und zeigt, wie hart er im nehmen ist, wie souverän er mit Niederlagen umgeht, wie männlich er im gefühleunterdrücken ist. Heute das große Finale, in dem Michl jetzt Pauline Füg, die sich ein Jahr lang deutsche Meisterin (Den Titel gibt es leider nicht offiziell, aber sie ist die einzige Frau im Finale) nennen darf, die Daumen drückt. Und auch dem Heiner, dem Halb-Franken, der ja fast für Nürnberg angetreten wäre.

Im U20 sind Mimi und Schlumpf ebenfalls knapp mit Platz 5 und 6 (1 bis 4 kamen weiter) ausgeschieden. Aber eins kann man mit Sicherheit sagen: Die Franken haben sich jetzt schon wacker geschlagen und schauen wir mal, was Pauline heute abend noch so reißt...

Und in 12 Monaten sind ja schon die nächsten Meisterschaften in Zürich. Dann aber!